Kurzsichtig im Sauerland

3. Dezember 2009

Verdammt! Das, was Nessy im Draußen-nur-Kännchen-Blog messerscharf analysiert, hätte eigentlich mir einfallen müssen. Für meine Südwestfalen-Kolumne „Parallelwelten“.

Sie würde es merken, wenn ich’s ihr klaue, oder?

Wie ich eingangs schon sagte: Verdammt!

Wunder geschehn

2. Dezember 2009

Vielleicht bin ich in der Adventszeit ja etwas rührseliger als sonst. Jedenfalls hat mich diese Aufnahme des Straßenchors wirklich umgehauen. Ganz nachdenklich gemacht.

Gefunden bei Toms Adventskalender hinterm ersten Türchen. Tolle Sache!

Twitteratur

1. Dezember 2009

Schokolade in Adventskalendern ist irgendwie langweilig. Zumindest hatten wir das alle schon mal. Rätselaufgaben dagegen machen nicht dick und sind unschädlich für die Zähne.

Täglich trifft zurzeit auf der Protextbewegung Literatur auf Twitter – das heißt dann „Twitteratur“. Welche literarische Figur aus welchem berühmten Werk jeweils „twittert“, das gilt es bis zum 24. Dezember täglich zu erraten.

Nachtrag: Völlig vergessen zu erwähnen, dass es natürlich auch 24 Preise gibt! Ich schicke euch doch nicht auf andere Seiten, wenn sich das nicht lohnt für euch!


50 Minuten

30. November 2009

Ich scheue keinen Vergleich mit Großstädtern. Denn um Stadtpunks zu sehen, kann man ja schließlich reisen.

Er kommt! Der Eurocity kommt nach Südwestfalen – und wird ab dem 13. Dezember Siegen mit Klagenfurt verbinden. Das bedeutet: Direktanschlüsse nach Frankfurt, Stuttgart und München. Klar, keine Rose ohne Dornen: Einmal am Tag hin, einmal am Tag zurück, mehr ist zunächst nicht drin. Ein bisschen ist das, als würde man einen Junkie grade nur mit genau so viel Stoff versorgen, dass er den Entzug knapp nicht schafft. Für jemanden, der mal in der Stadt mit dem größten Flughafen Deutschlands gelebt und sich jederzeit dank Fernverkehrszügen mit halb Europa verbunden gefühlt hat, passt dieser Vergleich ziemlich gut. Denn – Südwestfalen hat bislang ÖPNV-technisch gesehen fast nur eines: Linienbusse. Die fahren selten, niemals nachts und werden gelenkt von Busfahrern. Vor denen wiederum habe ich aufgrund traumatisierender Kindheitserlebnisse eine tief verwurzelte Angst. Ich denke heute noch, die schimpfen so mit mir wie damals, als ich sechs Jahre alt war. Im Eurocity werde ich nur Kontakt mit Schaffnern haben; Schaffner haben mich noch nie traumatisiert. Und vielleicht haben ja ein paar von ihnen diesen umwerfend charmanten Klagenfurter Akzent?
So, Ihr Großstädter: Jetzt sind wir also bald noch enger mit der restlichen Welt verbunden – was Eure vermeintlich unaufholbaren Vorsprünge vor uns sogenannten Provinzlern immer weiter zusammenschmelzen lässt. Neulich sagte mir eine Münchnerin mit der häufigen, wenn nicht typischen Arroganz einer Weltstädterin: „Siegen? Wo liegt das denn? Klingt für mich nach einer Erfindung von Loriot. So wie Castrop-Rauxel. Solche Orte kann es doch gar nicht wirklich geben!“ Wie gut hat es mir getan, als ich dann in einem überregionalen Wirtschaftsmagazin ein Interview las, in dem ein sehr erfolgreicher Unternehmer sein Geheimnis verriet: Seine Standorte befinden sich überall dort, wo er das größte kreative Potenzial entdeckt. Und das ist zwar unter anderem, wen überrascht es, auch Berlin – aber, und jetzt kommt’s, ebenso die hessische Wetterau und das beschauliche Paderborn. Und warum funktioniert sein Unternehmen so hervorragend? Weil er den Fehler seiner arroganteren Geschäftsführerkollegen nicht macht: das innovative Potenzial derjenigen Menschen zu unterschätzen, die dieselbe Menge Zeit mit dem Warten auf den Linienbus verbringen, die Großstädter in der Schlange vor ihren angesagten Disco-Lounges stehen.

Apropos Zeit: Ich habe neulich ein paar Tage in Hamburg verbracht. Egal, wohin man dort möchte – Hauptbahnhof, die andere Seite der City, Spezialgeschäft in der Peripherie der Innenstadt –, der Hamburger rechnet immer mit etwa 50 Minuten, die er für den Weg brauchen wird, unabhängig vom Verkehrsmittel. Mal ehrlich: Egal, welches Ziel ein Südwestfale ansteuert – Flughafen, Oper, Uniklinik, richtige Stadtpunks, echte Feierabendverkehrskollapse –, in 50 Minuten hat auch er eine reelle Chance, dort anzukommen.
Was mich betrifft, hadere ich nicht eine Minute länger mit dem Leben fernab meines geliebten Frankfurts, seitdem ich weiß, dass ich bald endlich wieder an ein Fernverkehrsnetz angeschlossen sein werde. Kommen wir doch einfach mal den Großstädtern entgegen: Die wussten bislang ja nicht so recht, wie sie uns erreichen sollten. Oder gar finden.

Veröffentlicht im SÜDWESTFALEN MANAGER (Ausgabe November/Dezember 2009) unter der Rubrik „Parallelwelten“.

Ich bin seit gestern Twickerin.

Und weil es bislang noch nicht viele Twicker gibt (schnell nachgeschaut: zur Stunde genau 165 registrierte Nutzer), bin ich wirklich mal – ziemlich – von Anfang an bei einer Neuentwicklung dabei. Das ist was Besonderes, denn sonst springe ich erst dann auf Trends auf, wenn die Trendsetter sie längst schon als vorgestrig abtun.

twick.it-Logo

Eigentlich ist twick.it in Windeseile umschrieben: Die „Erklärmaschine“ funktioniert in groben Zügen wie die Wikipedia – die Nutzer selbst generieren Inhalte, und die Nutzer selbst sind auch dafür zuständig, diese Inhalte zu kontrollieren, bewerten und ggf. als unwahr, tendenziös, lobbyistisch etc. zu enttarnen. Anders als in der Wikipedia wird aber keinem Erklär-Artikel das Attribut „unvollständig“ verliehen – das sind sie nämlich sowieso alle. Das liegt in ihrer Natur. Denn jeder Twick ist auf 140 Zeichen beschränkt, so viele Zeichen, wie auch Twitter pro Nachricht zulässt.

Man könnte also sagen: twick.it ist eine von Usern generierte Online-Enzyklopädie für Kurz-Definitionen.

Natürlich findet sich auch auf twick.it selbst die Definition von twick.it:

Web2.0-Enzyklopädie, bei dem jeder zu jedem Thema eine Erklärung verfassen kann. Der Text darf 140 Zeichen nicht überschreiten.
Mehr Infos: Twick.it – Die Erklärmaschine im Netz

Es gibt noch so viel mehr über twick.it und seine Möglichkeiten, Extra-Features und Hintergründe zu sagen, dass der Umfang an Informationen eine der längsten E-Mails gefüllt hat, die ich in den letzten Jahren bekommen habe. Geschrieben hat sie mir Markus Möller, gemeinsam mit Sean Kollak Erfinder und Betreiber der Erklärmaschine. Weil Markus twick.it viel besser mit eigenen Worten beschreiben kann, als wenn ich ihn aus zweiter Hand wiedergeben würde, hat er mir erlaubt, seine E-Mail in weiten Teilen zu zitieren. Das werde ich später auch tun, möchte aber zunächst noch ein bisschen zu meinem Karrierestart als Twickerin erzählen:

Ich kenne Markus Möller nicht  persönlich, obwohl wir in derselben Kleinstadt in Südwestfalen arbeiten und leben. Aber wir lesen uns gegenseitig auf Twitter, wo Markus als derlangemarkus unterwegs ist.

Das isser, der Markus. Anders als auf diesem Bild habe ich ihn auch noch nie gesehen.

Kurz bevor twick.it online ging, lud er mich ein, mich dort mal umzutun und mitzumachen. Weil ich mich grundsätzlich ziere, wenn es darum geht, mich auf einen neuen Trend einzulassen (siehe meine einleitenden Worte oben), hat Markus mich ein wenig „umwerben“ müssen, was er in Form seiner langen E-Mail tat – die mich immerhin neugierig gemacht hat.

Ich nehm’s mal gleich vorweg: Twicken macht Spaß! Jedenfalls einer Wort- und Zeichenklauberin wie mir. Der allererste Twick, den ich schrieb, erklärt „Neesen“ – ich habe nämlich ein möglichst absurdes und unbekanntes Thema gesucht, um mich auszuprobieren und meinen Twick ggf. unbeobachtet wieder löschen zu können, falls ich merke, dass ich mich auf dieser Plattform doch lieber nicht wiederfinden möchte. Und wer kennt schon den 2.300-Einwohner-Ortsteil des ostwestfälischen Kaffes, in dem ich meine Kindheit verbracht habe?! Read the rest of this entry »

Hier kommt nun also Markus Möller selbst zu Wort. Er erklärt twick.it natürlich wesentlich fundierter als ich. Ich habe Markus’ Antworten per E-Mail teilweise nicht zu 100 Prozent wörtlich übernommen, sondern gekürzt, etwas umgestellt und manchmal sogar ein wenig umformuliert. Sollte ich dadurch Inhalte verfremdet haben, wird Markus mich das sicher wissen lassen. Und ich dann euch!

Legen wir los: Was passiert eigentlich mit meinen „Twicks“?

Markus: Die User stimmen ab, welche Erklärung die beste ist. Der Vorteil: Kein Edit War! Die Gemeinschaft entscheidet über die Qualität. Keine elitäre Admin-Riege.

Markus

Markus Möller: stellte sich tapfer allen Nachfragen.

Julia: Bloß, dass die Mehrheit nicht unbedingt recht haben muss … Stichwort „weit verbreitete Irrtümer“.

Markus: Ja, berechtigter Einwand. Aber ist das bei Wikipedia, wer-weiss-was.de und sogar in diesem altmodischen Ding namens „reales Leben“ nicht auch der Fall?
Den Gedanken kann man sogar auf die Spitze treiben: Wäre es legitim, wenn Wikipedia vor einigen Hundert Jahren die Erde als Scheibe beschrieben hätte? Ich denke schon. Auch wenn es sich um einen Irrtum handelt, spiegelt es das damalige Wissen wieder.

Je länger ich darüber nachdenke, desto weniger Themengebiete fallen mir ein, die wirklich eine unumstößliche Wahrheit abbilden. In der Mathematik kann man logische Beweise führen. In vielen anderen Bereichen ist das leider nicht möglich.

Julia: Als Texterspielerei ist die Begrenzung auf 140 Zeichen natürlich reizvoll – aber nutzt das auch der Sache? Es gibt Dinge, die lassen sich nun mal nur in deutlich mehr als 140 Zeichen darstellen – sofern sie einen echten informativen Wert haben sollen. Nehmen wir mal „Deutsche Wiedervereinigung“ – da genügt die Zeichenzahl gerade mal für einen Teasersatz und einen weiterführenden Link. Zum Beispiel auf die Wikipedia.

Markus: Oftmals sind Themen aber eben doch in 140 Zeichen gut zu erklären. Kennst du nicht auch solche Leute, die man ungern fragt, weil deren Erklärungen niemals enden wollen? Bei twick.it kann so etwas nicht passieren. Es ist wohl auch eine kleine Kunst, Dinge kurz und knackig zu formulieren. Es soll ja Texterinnen geben, die das als Dienstleistung anbieten …

Ein kleines Beispiel: Im Urlaub befand sich unsere Ferienwohnung in der
Straße „Zum Katamaran“. Womöglich bin ich da ein wenig speziell, aber
mir hat die Frage „Was ist ein Katamaran?“ keine Ruhe gelassen. Read the rest of this entry »

Gute-Laune-Macher

26. November 2009

Gefunden bei Nessy, auf Anhieb gute Laune gekriegt, losgelächelt.
Und dabei mochte ich das Lied vorher nicht mal!

 

Seitdem Tina mir letzte Woche ein Stöckchen zugeworfen hat, hadere ich mit der Frage, wie ehrlich man in so einem Fall sein muss. Den Inhalt der eigenen Handtasche herzeigen lautet die Aufforderung, allerdings habe ich den Verdacht, dass sowohl Tina als auch Susi, bei der das Stöckchen vorher war, ziemlich geschummelt haben (was ich in meinen jeweiligen Kommentaren dort ja auch deutlich zum Ausdruck gebracht habe). Denn so wenig Müll wie bei den beiden Damen gibt es bei mir NIE. Aber weil ich ja nicht sicher weiß, wer hier mitliest – Kunden vielleicht, die den Glauben an meinen Perfektionismus nicht verlieren möchten; ehemals Erziehungsberechtigte, die sonst die Hoffnung aufgeben, dass aus mir doch noch mal ein grundordentlicher Mensch wird -, werde ich die schlimmsten Funde aus den tieferen Abgründen meiner Handtasche einfach verschweigen.

Ein bisschen was lasse ich wohlweißlich weg, aber was auf diesem Bild zu sehen ist, befand sich am 17. November 2009, 11.45 Uhr, tatsächlich in meiner Tasche:

Links außen im Bild: ziemlich viele Visitenkarten. Ich trage immer lieber ein paar zu viele bei mir als zu wenige – das liegt aber nicht daran, dass ich ein Genie im Selbstmarketing wäre, sondern daran, dass ich schon mehrmals meine Büroadresse gewechselt habe, ehe ich auch nur die Hälfte einer Auflage verteilt hatte. Deshalb bin ich inzwischen überaus großzügig mit den Dingern und stelle sie unterwegs gerne auch als Schmier- oder Notizzettel zur Verfügung, bevor ich wieder den Großteil wegwerfen müsste. (Es ist zwar kein neuer Umzug geplant, aber man weiß ja nie!)

Direkt daneben: der Besucherausweis, den ich vor zweieinhalb Wochen in der Neuen Börse in Frankfurt erhalten habe (die genau genommen schon wieder eine alte Börse ist, weil die neueste Neue Börse sich jetzt ja in Eschborn befindet). Ich war dort übrigens mit meinen Kolleginnen aus dem Texttreff, und im weiteren Verlauf wird sich zeigen, dass der gesamte Inhalt meiner Tasche immer noch sehr stark von jenem Texttreff-Wochenende geprägt ist – auch 17 Tage danach. (Jajaja, ich räume halt zu selten meine Taschen auf, ich weiß es ja selbst …)

Unten im Bild: ein Haufen Kosmetik. Zweimal Mascara, zweimal Lippgloss mit angeblichem Dauerhalt, Make-up, ein wasserfester Lidschatten, zwei Lidschatten ohne Wasserfestigkeit, aber in schöneren Farben, ein Lidschatten-Applikator, ein Kajalstift, ein flüssiger Eyeliner und ein furchtbar enttäuschendes Rouge mit Pinselchen. Links oberhalb des Haufens  eine Parfümprobe namens „Anna Yake“. Woher habe ich die eigentlich? Riecht jedenfalls okay.

Oberhalb des Besucherausweises: ein güldener Armreif von H&M. Ich mag ihn ganz gern, aber meine Handgelenke sind viel zu dünn dafür. Wenn ich ihn in mein Outfit integriere, dann immer nur für die erste halbe Stunde der entsprechenden Gelegenheit, danach wandert er zurück in die Handtasche. Mit teurem (Mode-)Schmuck gehe ich eigenartigerweise nie so gewissenhaft um, den verliere ich immer ziemlich schnell. Seltsam.

Ganz oben im Bild: insgesamt sieben Stifte. Vier davon hat Ikea mir gesponsert, einen der Kulis hat 3sat mir ganz offiziell geschenkt. Ich trage die Stifte seit dem Texttreff-Wochenende mit mir rum, da wurden sie gebraucht.

Im Zentrum des Bildes befindet sich mein, wie ich finde, wirklich hübsches Portemonnaie aus London, das ich Mitte September dort in Covent Garden gekauft habe. Ich mag’s sehr!

Links drunter, nicht gut zu erkennen: ein hübscher Schlüsselring aus dem Hause TeNo, eines Kunden von Biggi – und den habe ich wohl wo bekommen? Ja, auf dem mehrfach genannten Kolleginnen-Wochenende.

Rechts unterhalb des Portemonnaies: eine Zwei-Euro-Münze. Dazu gibt’s nix weiter zu sagen.

Direkt darunter: eine Haarspange, die mal meiner Freundin Manu gehört hat.

Wiederum direkt darunter: zwei Feuerzeuge. Auch hier keine Geschichte.

Rechts im Bild: ein Ausdruck mit Recherche-Tipps meiner Kollegin Marie-Christine; hat sie mir vor einer Woche in die Hand gedrückt. (Ja, es gab ein Leben nach dem letzten Oktober-Wochenende!)

Rechts, ganz unten: noch ein Netzwerktreffen-Überbleibsel. Das sind Kärtchen, die ich gebastelt hatte, um meine seriösen Kolleginnen – allesamt gestandene Texterinnen, Lektorinnen, Korrektorinnen, Journalistinnen und Übersetzerinnen – dazu anzustiften, Korrekturzeichen vorzuturnen. Ohne Zusammenhang versteht man das jetzt nicht, und es klingt auch wesentlich absurder, als es ist. Nun ja, es war vielleicht doch recht absurd …

Alle Korrekturzeichen wurden erfolgreich vorgetanzt und souverän erkannt – aber das wird jetzt fast schon zu intern.

Und ganz rechts seht ihr die Tasche, in der ich das alles mit mir herumtrage. Für die habe ich schon Spott geerntet, weil es eine dieser Tschibo-Taschen ist, die im letzten Monat unrühmlich in die Nachrichten geraten sind: Sie hatte nämlich mal eine Innenbeleuchtung, was ich göttlich fand (ich muss doch all die vielen Schminksachen auseinanderhalten, auch und gerade abends!) – bloß hat der Magnet, der das Licht aktiviert hat, leider gleichzeitig EC- und Kreditkarten zerstört. Ich habe also seufzend den Magneten entfernt und besitze nun auch wieder nur unbeleuchtete Taschen, so wie alle. Ich mag sie aber nach wie vor, vor allem, weil der Mann meines Herzens sie mir geschenkt hat. Ich finde sie hübsch, praktisch und kompatibel zu eigentlich jedem Outfit. Schweigt also still, ihr Spötter!

So, das Stöckchen gebe ich nun weiter an Elke, Birgit, Petra und Andrea. Seid ehrlich, Mädels!

;-)

Susi bittet seit heute in ihrer Blogparade um Schönheitsgeheimnisse. Nun isses einerseits so, dass ich auf Susis Bitten unheimlich gerne positiv reagiere – andererseits aber auch so, dass ich ein gespaltenes Verhältnis zu eben diesem Thema habe.

Wie war das noch mal mit den inneren Werten? Die waren doch irgendwie auch ganz gut, oder?

Denn was passiert, wenn ich mich mal dem Auffrischen meines Äußeren widme? Ein paar Beispiele:

  • Ich benutze eine Gesichtsmaske, nach der ich mich überraschend vitalisiert und erfrischt fühle. Dieses Gefühl hält genau so lange an, bis mir jemand sagt: „Oh, du weißt, was es bedeutet, wenn Gesichtsmasken beginnen, Wirkung zu zeigen? Das ist das erste Anzeichen dafür, dass du alt wirst. Bei junger Haut haben sie nämlich überhaupt keinen Effekt.“ Danke. Fast fünf Minuten lang hatte ich mich richtig gut gefühlt.
  • Ich gönne mir einen großstädtischen Star-Friseur, einen Stylisten, zu dem alle Trendsetter pilgern. Und wenn ich schon Geld ausgebe, dann aber richtig: Neue Farbe und Strähnchen, sowas genehmige ich mir fast nie, und dann bei diesen Preisen; aber wofür arbeitet man schließlich hart … Resultat: Die neue Farbe glänzt mir lediglich schwach im Spiegel entgegen. Und Strähnchen? Wo zur Hölle ist da ein Strähnchen? „Die sind eben sehr dezent. Das macht die Effekte spannender“, näselt mir der Trendsetter der Frankfurter Friseurszene zu. Aha. Der Profi wird’s wissen. Meine Freunde und Bekannten daheim sind schonungsloser. „Den Prozess würdeste gewinnen!“ Wollte ich jetzt nicht hören. Und nein, ich verzichte dankend.
  • Ich gönne mir einen Rock in auffälligem Muster, nur um rauszufinden, dass ich darin in Seitenansicht aussehe wie eine schwangere Giraffe im 15. Monat. Ich muss lernen, mich beim Kleiderkauf immer brav auch ins Profil zu drehen. Ich hasse Klamottenshopping nämlich innig und versuche, es durch schnelle Frontansichten möglichst bald hinter mich zu bringen. Klar, das rächt sich. Muss ja.
  • Möchte jemand Bilder von einem der ersten Male sehen, als ich mich – noch wesentlich jünger, das muss ich zur Ehrenrettung erwähnen! – auf Absätzen versucht habe? Beileibe kein Stöckelschuh – ganz moderate Treter. Es gibt Frauen, deren Hauspantoffeln sind höher als die Dinger, die mir damals fast den Hals brachen. Ich wollte  – ungeübt, aber festen Willens, mich häufiger mal ladylike zu kleiden – mit Absätzen bergab laufen und habe mir dabei ein blaues Auge eingefangen. Denn der Sturz, der dem Umknicken meines Knöchels folgte, beförderte mich schmerzhaft kopfüber in eine Hecke, wo mein Lid Bekanntschaft mit einem spitzen Zweig machte. Mann, sah ich danach übel aus! DAS ist aber dennoch ein Feld, das ich nicht einfach kampflos aufgegeben habe: Heute kann ich auf fast richtig hohen Absätzen laufen, in echten Zickenschuhen, die ich gerne und teuer erstehe, nur um sie so gut wie nie zu tragen. Sie sind mir einfach zu unbequem. Womit wir wieder beim Thema „sinnlose Ausgaben“ wären. Immerhin, gestürzt bin ich schon ewig nicht mehr! Und von wegen Bild: Es gibt natürlich keines. Wer lässt sich schon freiwillig mit Veilchen fotografieren?! (Gilt diese Weigerung als Schönheitstipp? Eher nicht so, oder?)

Nun, es  sollte hier ja eigentlich nicht um die Frage gehen, welche Versuche regelmäßig scheitern. Tja, ich weiß da ja wirklich was Funktionierendes, aber das klingt nach naturverklärter Wald-und-Wiesen-Romantik. Sag ich’s oder geniere ich mich? Ach, was soll’s!

Rosige Wangen und ein frisches Gesicht gibt es nach einem ausgiebigen (in dieser Heidi-Stimmung hätte ich fast „zünftigen“ geschrieben) Spaziergang an möglichst kalter Herbst- oder Winterluft. Das ist noch nie schiefgegangen. Und sollte ich das Geheimrezept entdecken, das damit einhergehende aufgesprungene Lippen verhindert, ohne dass man einen ekligen verklebten Fettstift mit sich führen muss, dessen Kappe mit schicksalhafter Sicherheit binnen Tagen verschwunden ist (weswegen Labello und Co. immer kekskrümelverunreinigt in der Handtasche herumkugeln): Dann behalte ich dieses Wissen so lange für mich, bis ich rausgefunden habe, wie ich damit Millionen scheffeln kann!

Foto: Klicker, pixelio.de

Vollbracht!

14. November 2009

Ich hatte es ja versprochen: Dieses Jahr würde ich unter gar keinen Umständen – trotz furchtbar frühen Abgabetermins, zu dem ich noch kein klitzekleines bisschen adventlich gestimmt bin – „Weihnachten im Schuhkarton“ vergessen.

Aber nur, dass Ihr’s wisst: Basteln ist nicht meine Stärke! Klingt so einfach: „Bekleben Sie einen Schuhkarton mit buntem Geschenkpapier“. Ja, hallöchen – so ein Karton hat Ecken, Winkel, und dann irgendwie immer noch eine und noch eine Ecke. Ohne Designstudium ist man bei so einer Beklebungsaktion ganz schön benachteiligt!

Ich hoffe von ganzem Herzen, dass keines meiner beschenkten Kínder in Tränen ausbricht, wenn es meine Kartons sieht, die auch ein beidseitig Armamputierter nicht sehr viel ungeschickter  umwickelt hätte. Ich habe deshalb mit Bedacht die Altersstufe „2 bis 4″ beschenkt; die sind da oft noch nicht so kritisch. (Hoffe ich.)

Weihnachten im Schuhkarton 001

Hab ich super fotografiert, oder? Denn: Man sieht keine abgestoßenen Kanten, kein eingerissenes Papier, nicht, wo ich überschüssiges Papier plattzuklopfen versucht habe, keine Leimflecken ...

Weihnachten im Schuhkarton 002

Geschenk für Jungen, Alter 2 bis 4, Nummer 1: Spielzeugrennautos, Kinderzahnbürste mit Bob, dem Baumeister, Straßenmalkreide, Luftballons, Kinderzahnpasta, echt viel Schokolade, Kirschlollis

Weihnachten im Schuhkarton 004

Geschenk für Jungen, Alter 2 bis 4, Nummer 2: Malbuch, Wachsmalkreide, Buntstifte und Anspitzer, Kreisel, rotes Feuerwehrauto, sehr viel Schokolade und Kirschlollis, deshalb auch hier eine Bob-der-Baumeister-Zahnbürste: Man trägt ja dentale Mit-Verantwortung!

Weihnachten im Schuhkarton 005

Der Kater kontrolliert vorsichtshalber noch mal, ob ich auch wirklich nicht widerrechtlich eine seiner Kitekat-Dosen verschenken will.

Aber vor dem Bekleben gab es ja noch ein anderes Problem: die alters- und gendergerechte Zuordnung meiner im Geschenkerausch eingekauften Präsente. Ich bin da nämlich nicht sehr strukturiert vorgegangen, sondern habe in den Einkaufskorb getan, was mir bunt und kindgerecht erschien. (Und was ich selbst als Kind gern gehabt hätte: Straßenmalkreide zum Beispiel sollte ich nie haben, wegen der Nachbarn!)

Zu Hause angekommen, stellte ich dann ernüchtert fest, dass ich überdurchschnittlich viele Spielzeugautos gekauft hatte – ein Mädchenpaket ließ sich damit nicht schnüren. (Nein, nein, nein, ich bin keine Befürworterin von Rollenklischees; ich hatte als kleines Mädchen selber ein paar Spielzeugautos. Aber ich dachte mir, wenn ich von den Veranstaltern schon um Zuordnung gebeten werde, und wenn die meine Kartons sowieso kontrollieren, um eventuell großzügig mitversandte Rinderfilets wegen restriktiver Einfuhrbestimmungen auszusortieren (oder eines dieser Dinge), dann füge ich mich mal den üblichen Vorstellungen. Und die besagen, dass 2- bis 4-jährige Mädchen rote Feuerwehrautos ganz schön doof finden.)

An dieser Stelle bedanke ich mich übrigens herzlich für die beratende Mithilfe kinderkennender Personen wie Lilian, Susi und Michael.  Ohne die hätte ich nämlich so furchtbare Fehler gemacht, wie am Ende unwissend 5- bis 9-jährige Mädchen mit Kreiseln zu beschenken – die hätten mir so ein albernes Zeug doch glatt wieder um die Ohren gehauen!

Für nächstes Jahr nehme ich mir drei Dinge vor:

1. Ich kaufe strukturierter und geplanter ein.

2. Ich werde das Basteln outsourcen. Auf jeden Fall!

3. Ich muss dringend selbstständiger werden! Oben genannte Personen sind schließlich berufstätig und können mich nicht dauernd in die Psyche kleiner Menschen einführen!

Übrigens hat der Mann meines Herzens nicht nur tatkräftig dabei geholfen, die Kartons zu bestücken (allerdings hat er Anfang der Woche auch dafür gesorgt, dass gewisse Schokoladen wieder ersetzt werden mussten, nun ja …), er hat sie vor allem adoptiert und die Lieferkosten übernommen.

Hat Spaß gemacht! Nächstes Jahr gerne wieder!