Ich lese schon lange keine überregionale Tageszeitung mehr, sondern nur noch das Lokalblatt, um über Entwicklungen meiner Kommune auf dem Laufenden zu bleiben. Über Politik und Kultur bin ich nämlich meist schon online einen Tag früher informiert, als Zeitungen es mir ermöglichen könnten.
Mich persönlich treibt vor allem die Anführungszeichenwut der Redakteure meines heimischen Blattes in den Wahnsinn:
Autofahrer hielt nicht bei „Rot“.
Regierung verabschiedet „Konjunkturpaket“.
Wäääh. An Tippfehler allerorten, selbst in Schlagzeilen (wo sie besonders peinlich sind), hat man sich als Zeitungsleser ja fast schon gewöhnt – schließlich sparen Zeitungsverlage am liebsten an der Schlussredaktion und damit an der Qualität.
(Mein Leidensdruck, weil der Zeitungsbote unseren Haushalt seit vier Tagen ignoriert, ist entsprechend klein – seit letztem Donnerstag rege ich mich morgens wenigstens nicht mehr über die Gänsefüßcheninflation auf. Trotzdem werde ich mich heute mal besorgt erkundigen, ob dem Zusteller vielleicht was zugestoßen ist.)
Müssen wir Leser den Status quo als gegeben hinnehmen? Vermutlich ja; solange Verkaufszahlen und Werbeeinnahmen stimmen, darf ja an der sprachlichen Qualität weiterhin gespart werden. Vielleicht ärgern Fehler und übler Stil sowieso nur Lektoren, Deutschlehrer und Bastian Sick?
Eine Umfrage möchte das herausfinden: Dieser Link führt Sie direkt dorthin.
Übrigens: Ich habe dort geantwortet, dass ich keineswegs Rückschlüsse von der textlichen auf die inhaltliche Qualität ziehe. Ich bin durchaus in der Lage, zwischen Form und Inhalt zu trennen. Aber respektlos ist Schlampigkeit den Kunden (= Lesern) gegenüber. Und meinem Adrenalinspiegel tut der inflationäre Gebrauch eines Satzzeichens halt einfach nicht gut.

6. Mai 2009 at 06:48
Gedenken wir nun dem dahingeschiedenen Lektorat und seiner Leistungen in der Vergangenheit, die uns vor Schlimmem bewahrten und die wir so schmerzlich vermissen. Ruhe es in Frieden, auf dass die Sparmaßnahme sich rechtfertige und wir bald keine Zeitungen mehr lesen werden.